NEUBAU EINES HÖRSAALGEBÄUDES Der UNIVERSITÄT BIELEFELD                                                 

 

Prämissen

Die Vorgabe eines Realisierungszeitraums von ca. 20 Monaten, sowie die benannte Kostenobergrenze haben uns zu folgenden Prämissen geführt, die maßgebend für die Konzeptentwicklung waren:

• minimierte Baugrube, geringe Erdbewegungen, Verzicht auf Verbau

• Reduzierung des Anteils an Ortbetonbau auf das technisch, konstruktive und baurechtlich Nötigste

• Nutzung der bauzeitlichen, ökonomischen und ökologischen Vorteile des Holzmontagebaus in vorproduzierten Teilfertigteilen

• Ort und Aufgabe angemessene Einfügung und architektonischer Ausdruck

Entwurfsstrategie

Neben den Prämissen sind die entwurfsbestimmenden Themen vor allem die Lage und die Qualität des Hörsaals, sowie die Lage und Orientierung des Foyers und daraus resultierend eine hohe und für alle Nutzer gleichberechtigte Erschließungsqualität. Damit verbunden sorgt ein einfaches und direktes Entfluchtungskonzept, welches die Gegebenheiten des Ortes nutzt sowie die Entwicklung eines passgenauen Haustechnikkonzeptes dazu, kostenintensive technische und bauliche Maßnahmen in der Erstellung, sowie hohe Betriebskosten zu vermeiden. 

Städtebauliche Einfügung und Erschließung

Das Baukörpervolumen legt sich an den Hang und bildet ein Pendent zum Gebäude X.

Betritt der Besucher das einladende und lichte Foyer sieht er vor sich ein eingestelltes Sichtbetonvolumen. Dieses beinhaltet die Nebenräume, die Räume der Haustechnik sowie die vertikale Erschließung. Die beiden Zugänge zum Hörsaal sind durch die Rundungen des Sichtbetonvolumens, sowie deren Akzentuierung durch zenitales Tageslicht über zweigeschossige Lufträume betont. Der Besucherstrom wird hierdurch selbstverständlich und intuitiv in den Hörsaal geführt. Die drei Seminarräume befinden sich über dem Foyer und sind mit einer offenen Treppe und einem Aufzug an dieses angebunden. Sie orientieren sich nach Norden in Richtung des Hauptgebäudes und wenden sich den Ankommenden zu.

Funktionalität

Der Hörsaal wird ebenerdig, direkt aus dem Foyer, rechts und links der Tafelanlage erschlossen. In der ersten Reihe befinden sich bis zu acht Rollstuhlgeeignete Plätze, dieser Bereich kann alternativ durch Klappsitze ohne Pult genutzt werden (daraus folgen: 688 bis 714 Personen). Auf Grund der Doppelprojektionsfläche mit gesamt 18m Breite und 5m Höhe ist eine Steigung von 30cm je Sitzreihe, mit je zweimal 20 Sitzplätzen optimal für den Sehkomfort. Dieses Steigungsmaß führt zu einer idealen Nutzung der Hangsituation und damit einfachen Rettungswegen direkt ins Freie.

Material und Konstruktionsweise

Durch die gewählte Materialität erhält das Gebäude eine zeitgemäße und repräsentative Ausstrahlung mit signifikanter Identität. 

STAHLBETONBAU. Lediglich die erdberührenden Bereiche, sowie die eingestellte Centerbox sind in Stahlbeton ausgeführt. Durch diese Konstruktion wird auf sinnvolle und wirtschaftliche Art den Anforderungen der Lastaufnahmen und der Brandschutzanforderungen der Technikräume nachgekommen.

HOLZBAU. Alle weiteren Bauteile ermöglichen als vorgefertigte Leimbinder, Brettsperrholz Wand- und Deckenelemente eine schnelle und wirtschaftliche Ausführung und geben den Räumen zudem atmosphärische Qualitäten.

FASSADEN. Die Fassade ist eine leichte vorgehängte Zinkfassade, hell silberweiß eloxiert, die dauerhaft wartungsfrei und im Fall von Graffiti leicht zu reinigen ist. Die erdgeschossige Foyerfassade ist umlaufend, raumhoch verglast. Die Dachflächen mit ihrer extensiven Bepflanzung bilden eine visuelle und ökologische Vernetzung mit dem Landschaftraum und erzielen eine erhebliche Dämm- und Retentionswirkung.

Nachhaltigkeit

Das Gebäude Y erhält sowohl in seiner Ausrichtung, als auch in seiner Materialität eine sensible ökonomische und ökologische Ausrichtung. Alle Bereiche des Gebäudes sind tagesbelichtet und besitzen außenliegenden Sonnenschutz mit Lichtlenklamellen. Die Seminarräume sind nordausgerichtet und ermöglichen somit ganzjährig optimale Tageslichtnutzung ohne Überhitzungsprobleme. 

Die Herstellung der eingesetzten Holzprodukte verbraucht deutlich weniger Energie als die Fertigung alternativer Baustoffe. Durch die Energieeffizienz der Verarbeitung von Holz sinkt der Ausstoß von Treibhausgasen erheblich, CO2 ist zudem dauerhaft gebunden. Am Ende des Gebäudelebenszyklus lassen sich-Holzbauteile direkt einfach separieren und wieder-verwenden. Ist es als Baumaterial nicht mehr verwendbar, liefert es Energie zur Produktion von Wärme oder Strom. 

Das Haustechnikkonzept basiert auf der Minimierung des Energiebedarfs, sowie eines effizient und regenerativ erzeugten Restenergiebedarfs.

Großflächige Gründächer entfalten große Dämm- und Retentionswirkung, sorgen für eine Verbesserung des Mikroklimas und sind Teil des Regenwassermanagements.